P. FINDEISEN

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ROSSTAL  – Die Kulturscheune Spitzweed in Roßtal präsentiert Bilder und Objekte des NN-Kunstpreisträgers Philipp Findeisen. Titel der Ausstellung: „Karambolagen“.

Karambolagen sind meist mit ärgerlichem Blechschaden, erhöhtem Splitteraufkommen, multiplen Destruktionen einst formschöner Vehikel und weitläufig verstreuten Metalltrümmern verbunden. Wenn der Künstler, der diese Karambolagen ausstellt, auch noch Findeisen heißt, ist die Ironie perfekt.

Aber hier geht es nicht um zerdepperte Autos oder mutierte Schrottobjekte, sondern um bildende Kunst, um Collagen aus Papier und Malerei. Sämtliche klein- und großformatige Werke in Acryl Lack und Öl verzichten auf einen Titel.

Poskarte FreigestelltDie meisten Bilder sind nach dem gleichen Prinzip aufgebaut: Auf einem Siebdruck mit diversen Farbübergängen und Schattierungen befinden sich Foto-Ausschnitte von Treppen, Türen, Plattformen und Fassaden in architektonischer Deutlichkeit, aber auch nur farbige Papierflächen, die in ihrer Anordnung Plastizität suggerieren. Alle diese Elemente sind so angeordnet, dass sie meist in einer Diagonale in die Raumtiefe führen und sich dort verlieren.

Wobei allerdings kein geschlossenes architektonisches System entsteht, aber auch kein komplettes Auseinanderfallen. Meistens markiert eine freie Fläche des Siebdrucks das Zentrum des Bildes, während die Collagen-Elemente einen Rahmen darumherum bilden. Philipp Findeisen fängt den Moment ein, in dem zwei oder mehrere Architekturen oder Strukturen aufeinanderprallen und auseinanderfallen. Der Betrachter steht davor und fragt sich, wie der Bildraum wohl vor der Karambolage ausgeschaut haben mag. Alles in Harmonie?

Wer oder was prallt da eigentlich aufeinander? Bei näherem Hinsehen entdeckt man chinesische Schriftzeichen, Lampions, Elemente exotischer Architektur, sogar den Namen der Agentur oder des ursprünglichen Fotografen, aus dessen Aufnahme sich Findeisen bedient hatte. Handelt es sich hier um den vielbeschworenen Zusammenprall der Kulturen? Oder eher um ein ästhetisches Experiment?
Abenteuerliche Diagonalen

Auch die reinen Gemälde sind ähnlich aufgebaut. Abenteuerliche Diagonalen durchkreuzen den Raum; Raumsektoren sind angefüllt teils mit Mustern und Ornamenten, die an Gustav Klimt erinnern, teils mit Farbschlieren und Farbtropfen. Einzelne Musterelemente – sogenannte Rapporte – ähnlich Laubblättern, verteilen sich über das Gemälde, ballen sich zu Agglomerationen zusammen oder verlieren sich in der Weite.

Wie mag Philipp Findeisens Bildwelt dreidimesional aussehen? Ein pyramidenförmiger Berg aus Gips evoziert das Matterhorn, wirkt ansonsten reichlich konventionell. Interessanter gestaltet er zwei Holzobjekte, zwei weiß lackierte Kassettentüren in tollen Verdrehungen, deren Anblick aus jeder Perspektive mit neuen Wendungen überrascht. Willkommen in Doktor Caligaris Panoptikum.

Bis 21. Juli in der Kulturscheune Spitzweed, Roßtal, Schulstraße 25. Sa und So von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr.
FN vom 10.07.2013

Reinhard Kalb

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Autor: - Datum: Samstag, 6. Juli 2013 17:48
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