CRIS KOCH

Rätselhafte Fiktion

Das „Franken Voodoo Exzerpt“ stellte in Roßtal aus

ROSSTAL – Von einem „Institut für Kunst und Sicherheit“ haben Sie noch nie gehört? „Franken Voodoo Exzerpt“ klingt auch nicht eben erhellend? Nicht viel anders erging es nach eigenen Worten Rosstals Bürgermeister Johann Völkl, der die Vernissage des Neustädter Künstlers Cris Koch in der Spitzweedscheune eröffnete.

Ein Rundgang durch die Ausstellung wirft ein Schlaglicht auf die Arbeit des fiktiven Instituts, beginnend bei einem Büro im Sechziger-Jahre-Stil mit einer Schreibmaschine, deren einzige verbliebene Tasten die 0 und die 1 sind, Zahlen, die auf die Digitalisierung aller Lebensbereiche hinweisen.

Diese technische Bildsprache findet sich in den Zeichnungen an den Wänden wieder, während andere Exponate sich der Sicherheit widmen. Pinkfarbene Helme laden dazu ein, aufgesetzt und ausprobiert zu werden. Die anwesenden Kinder sind in ihrem Element, wenn sie sie sich auf rosafarbenen Stühlen angurten dürfen. Fragebogen zur Evaluation des Helmexperiments vervollständigen die Fiktion eines wissenschaftlichen Ansatzes einer Behörde, die zur Sicherheit einer sich immer schneller und auf immer mehr Ebenen bewegenden Menschheit die Helmpflicht im Alltag propagiert. Das Konstrukt zieht sich durch den Raum, von den Gefahrenmeldestellen für die Bevölkerung Rosstals bis hin zu Plakaten, die die Freiheitsstatue mit Helm zeigen und zu einem mit Klebeband abgetrennten Raum, über dem ein pinkfarbener Regenschirm aufgespannt ist, der vor dem leeren Deckenraum darüber schützen soll.

Nichts von alldem ist zufällig, wie Reinhard Erbes vom Runden Tisch Kultur betont, Text, Bild, Exponat, Raum und das digitale Quartier der Ausstellung im World Wide Web wirken zusammen in einem Gesamtkunstwerk, bei dem man nicht sagen kann, „wo hier die Kunst anfängt“.

Das ist im positiven Sinne sicher richtig, entspricht es doch dem Grundgedanken, dass Kunst nicht zu trennen ist vom Leben, dass Raum, Exponat, Künstler und Rezipient zusammengehören und Kunst gemeinsam leben. Es ist aber auch ein wenig wahr in dem negativen Sinne, dass bei allem Spaß, den die Ausstellung bietet und bei allem Verständnis für einzelne Aussagen der Besucher am Ende nicht unbedingt schlauer ist als zu Beginn.

FN vom 02.10 2012





Fotos: Manfred Chrometz
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Autor: - Datum: Freitag, 14. September 2012 8:36
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