Beitrags-Archiv für die Kategory 'Ausstellungen'

CRIS KOCH

Freitag, 14. September 2012 8:36

Rätselhafte Fiktion

Das „Franken Voodoo Exzerpt“ stellte in Roßtal aus

ROSSTAL – Von einem „Institut für Kunst und Sicherheit“ haben Sie noch nie gehört? „Franken Voodoo Exzerpt“ klingt auch nicht eben erhellend? Nicht viel anders erging es nach eigenen Worten Rosstals Bürgermeister Johann Völkl, der die Vernissage des Neustädter Künstlers Cris Koch in der Spitzweedscheune eröffnete.

Ein Rundgang durch die Ausstellung wirft ein Schlaglicht auf die Arbeit des fiktiven Instituts, beginnend bei einem Büro im Sechziger-Jahre-Stil mit einer Schreibmaschine, deren einzige verbliebene Tasten die 0 und die 1 sind, Zahlen, die auf die Digitalisierung aller Lebensbereiche hinweisen.

Diese technische Bildsprache findet sich in den Zeichnungen an den Wänden wieder, während andere Exponate sich der Sicherheit widmen. Pinkfarbene Helme laden dazu ein, aufgesetzt und ausprobiert zu werden. Die anwesenden Kinder sind in ihrem Element, wenn sie sie sich auf rosafarbenen Stühlen angurten dürfen. Fragebogen zur Evaluation des Helmexperiments vervollständigen die Fiktion eines wissenschaftlichen Ansatzes einer Behörde, die zur Sicherheit einer sich immer schneller und auf immer mehr Ebenen bewegenden Menschheit die Helmpflicht im Alltag propagiert. Das Konstrukt zieht sich durch den Raum, von den Gefahrenmeldestellen für die Bevölkerung Rosstals bis hin zu Plakaten, die die Freiheitsstatue mit Helm zeigen und zu einem mit Klebeband abgetrennten Raum, über dem ein pinkfarbener Regenschirm aufgespannt ist, der vor dem leeren Deckenraum darüber schützen soll.

Nichts von alldem ist zufällig, wie Reinhard Erbes vom Runden Tisch Kultur betont, Text, Bild, Exponat, Raum und das digitale Quartier der Ausstellung im World Wide Web wirken zusammen in einem Gesamtkunstwerk, bei dem man nicht sagen kann, „wo hier die Kunst anfängt“.

Das ist im positiven Sinne sicher richtig, entspricht es doch dem Grundgedanken, dass Kunst nicht zu trennen ist vom Leben, dass Raum, Exponat, Künstler und Rezipient zusammengehören und Kunst gemeinsam leben. Es ist aber auch ein wenig wahr in dem negativen Sinne, dass bei allem Spaß, den die Ausstellung bietet und bei allem Verständnis für einzelne Aussagen der Besucher am Ende nicht unbedingt schlauer ist als zu Beginn.

FN vom 02.10 2012





Fotos: Manfred Chrometz

Thema: Ausstellungen | Autor:

HANISCH & KÜFFNER

Mittwoch, 27. Juni 2012 14:53


Fotos: Manfred Chrometz

Thema: Ausstellungen | Autor:

EVA-MARIA MANDOK

Freitag, 4. Mai 2012 16:33

Mit der Ausstellung „Begegnung”, die Arbeiten der NN-Kunstpreisträgerin 2009, Eva-Maria Mandok, zeigt, startete der Roßtaler Kultursommer in die Saison 2012.

Vergängliches Material als Spiegel der Gesellschaft: Die Nürnberger Künstlerin Eva-Maria Mandok bringt in zahlreichen Arbeiten Zeitungspapier ins Spiel.
Geistreich, mitunter witzig und vor allem bis ins kleinste Detail durchdacht — so präsentiert die Künstlerin aus Feucht ihre Figuren in der Spitzweedscheune. In dem atmosphärischen Raum des historischen Gebäudes mit den weiß gestrichenen Wänden kommen Eva-Maria Mandoks Skulpturen ideal zur Geltung.

Denn Begegnungen als wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens finden ja bewusst statt, durch Nähe, Innehalten, Verlauf und Wechselwirkung. Und genau mit dieser Herangehensweise kann der Betrachter spielen: Die Skulpturen und Figurengruppen der 1975 geborenen Nürnbergerin — ihr Atelier hat sie auf AEG nahe der Stadtgrenze — sind so aufgestellt, dass man sich ihnen nähern, sie von weitem betrachten und aus verschiedenen Blickwinkeln auf sich wirken lassen kann.

Die einzelnen Motive – häufig Personen in Alltagssituationen — stehen dabei für sich alleine. Etwa das rundliche polnische Großmütterchen mit Kind oder die junge Frau aus Guatemala. Eva-Maria Mandok, die an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg Bildhauerei studierte, variiert dabei mit verschiedenen Materialien wie Beton, Stein, Holz, Eisen, Textil und Papier.

Das Haptische ist es, was Mandok an der Bildhauerei so fasziniert. Stück für Stück tastet sie sich an ihre Figuren heran, als einen meditativen Prozess beschreibt sie ihr Arbeiten. Auch dass sie immer wieder Zeitungen nutzt und benutzt, ist kein Zufall: Mandok betrachtet dieses Medium aus vergänglichem Material als Spiegel der Gesellschaft.

Für die Darstellung einer Frau aus Guatemala verwendet sie folgerichtig originale Zeitungen aus diesem Land. Für die Gruppe Jugendlicher aus der Nürnberger Südstadt verwendete sie nicht zufällig Zeitungen aus Israel, Russland oder der Türkei. Mandoks Auslandsaufenthalte — ein soziales Jahr in São Paulo in Brasilien sowie zwei Auslandsstipendien in Krakau – beeinflussen die Werke der 37-Jährigen nachhaltig.

Auch in ihren Malereien. Dabei beeindrucken hier vorwiegend die herausgearbeiteten Kontraste. Ein trister Häuserzug in Krakau, der schroff durchbrochen wird durch eine knallig-bunte Werbetafel. Der dunkle Marientortunnel in Nürnberg mit dem hellen Himmel. Eva-Maria Mandok erzeugt hier mit Gegensatzpaaren eindrucksvolle Spannung.

Claudia Wunder, Fürther Nachrichten 1.6.2012

„Begegnung”: Spitzweed-Kulturscheune Roßtal (Schulstraße 25). Wochenenden 10–13/15–18 Uhr und auf Anfrage unter Telefon (09127) 7725. Am 7. und 10. Juni ist die Künstlerin jeweils von 15–18 Uhr anwesend. Bis 10. Juni.


 Vernissage

Impressionen

Fotos: H. Auerochs, Manfred Chrometz, Andreas Sponnier


 

Thema: Ausstellungen | Autor:

KARL HEINZ KÜHLER

Mittwoch, 14. September 2011 12:19

Benefiz-Ausstellung “ Zupfbuntengel“

Kleine Kunstwerke helfen Kindern

In der Roßtaler Spitzweedscheune präsentiert Karl Heinz Kühler seine „Zupfbuntengel“

ROSSTAL  – Zum Abschluss des Roschtler Kultursommers lockt eine Ausstellung der besonderen Art in die Spitzweedscheune: Karl Heinz Kühler zeigt „Zupfbuntengel“. Und mehr noch: Der renommierte Künstler verkauft seine kinetischen Objekte zugunsten der örtlichen Kindergärten. Wohl eine einmalige Gelegenheit, sich einen „echten Kühler“ ins Haus zu holen.

„Sie sind mir ans Herz gewachsen“: Karl Heinz Kühler mit den „Zupfbuntengeln“ in seinem Atelier. Verkauft werden sie zugunsten der Roßtaler Kindergärten.

„Sie sind mir ans Herz gewachsen“: Karl Heinz Kühler mit den „Zupfbuntengeln“ in seinem Atelier. Verkauft werden sie zugunsten der Roßtaler Kindergärten.

Bei der Frage, ob er an Engel glaube, setzt Karl Heinz Kühler sein spitzbübisches Grinsen auf und antwortet mit einem eindeutigen: „Jein.“ Es komme darauf an, was er auf sie projiziere — oder sie auf ihn. „Ich glaube auch an Engel, wenn sie keine Flügel haben“, sagt er. Wer weiß schon, wie so ein Schutzengel aussieht? Karl Heinz Kühlers sind bunt, quadratisch und haben alle Flügel. Und man kann an ihnen zupfen, „dann tun sie, als ob sie fliegen könnten“. Darum auch der Name Zupfbuntengel. „Hampelengel klingt bei weitem nicht so schön“, findet der Künstler. 34 solcher kinetischer Objekte entstanden innerhalb von zwei Jahren.

Nach seiner schweren Krebserkrankung hatte Kühler einen Weg gesucht, wieder in die Arbeit zu finden. Zunächst entstanden während seiner Chemotherapie kleine Collagen, etwa zehn mal zehn Zentimeter groß, bei denen er seiner Intuition freien Lauf ließ. „Da haben sich dann irgendwann die figürlichen Darstellungen eingeschlichen, die kleinen abstrakten Schutzengeln spielerisch sehr ähnlich sahen“, erklärt der 75-Jährige.

Bei der Umsetzung merkte Kühler, dass man die Flügel „irgendwie beweglich machen kann“. Dass er früher schon Entwürfe für Hampelmänner für die Spielzeugindustrie gemacht hatte, begünstigte seine Arbeit. Dazu kam eine pragmatische Überlegung: „Die Objekte sind genauso groß, dass sie in meine Säge passen, viele Materialien hatte ich zudem noch.“

Jedes dieser Werke ist ein Unikat, und nicht nur Farben und Formen sind verschieden, auch wenn man an den Schnüren zieht: jeder Flügelschlag hört sich anders an. Es sind die kleinen, aber feinen Eigenheiten, die die Werke von Kühler auszeichnen. Gern gibt er seine Wegbegleiter nicht ab, „sie sind mir ans Herz gewachsen, ich habe mich gut mit ihnen unterhalten“, sagt er, und lächelt wieder ein wenig spitzbübisch.

Mit Holz, findet der Künstler, lasse sich gut reden — „und man kommt auf Gedanken, auf die man alleine nicht kommt“. Schutzengel, meint Kühler, fliegen, sie wollen fliegen, so weit, so nah und dorthin, wo sie gebraucht werden. „Also besonders zu kleinen und großen Kindern.“ Da man „Schutzengel nicht einfach kaufen oder verkaufen“ könne, geht der Erlös — das Mindestangebot liegt bei 70 Euro – an die Roßtaler Kindergärten. „Aber wer mehr zahlen möchte, der ist natürlich herzlich willkommen.“

Die Benefiz-Ausstellung „Zupfbuntengel“ ist vom 1. bis 16. Oktober, samstags und sonntags von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, in der Spitzweedscheune Roßtal zu sehen. Künstlergespräch: Sonntag, 2. Oktober, (10 bis 12 Uhr), Sonntag, 9. Oktober, (10 bis 12 Uhr).

Sie sind bunt, sie sind quadratisch, und man kann an ihnen zupfen, dann tun sie so, als könnten sie fliegen.

„Will man eine Krankheit überstehen, braucht man eine eiserne Gesundheit. Besonders braucht man aber die Hilfe von außen. Das ist die Familie, der Freundeskreis und die Hilfe all derer, mit denen man im Alltag, im kreativen und im gesellschaftlichen Umfeld verbunden ist.
Man braucht Schutzengel. So entstanden während meiner Chemotherapie winzige Collagen, in denen sich immer mehr figürliche Darstellungen einschlichen, die kleinen abstrakten Schutzengeln spielerisch sehr ähnlich sahen.
Wer weiß schon, wie ein Schutzengel eigentlich aussieht? Meine Zupfbuntengel haben mir ihre Form, ihre Farbe (oder ist es eine Tarnfarbe?), auch ihre Bewegungen intuitiv möglich erscheinen lassen.
Schutzengel fliegen, sie wollen fliegen so weit und so nah und dorthin, wo sie gebraucht werden. Also besonders zu kleinen und großen Kindern.
So ist es mein Wunsch, dass sie dort landen, wo diese Kinder ihre Hilfe erwarten und auch sehr notwendig brauchen.“

FN vom 1.10.2011
Foto und Text: Claudia Wunder

Fotos von der Vernissage

Galerie


Fotos: Manfred Chrometz/Horst Auerochs


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