Beitrags-Archiv für die Kategory 'Ausstellungen'

KARL HEINZ KÜHLER

Mittwoch, 14. September 2011 12:19

Benefiz-Ausstellung ” Zupfbuntengel”

Kleine Kunstwerke helfen Kindern

In der Roßtaler Spitzweedscheune präsentiert Karl Heinz Kühler seine „Zupfbuntengel“

ROSSTAL  – Zum Abschluss des Roschtler Kultursommers lockt eine Ausstellung der besonderen Art in die Spitzweedscheune: Karl Heinz Kühler zeigt „Zupfbuntengel“. Und mehr noch: Der renommierte Künstler verkauft seine kinetischen Objekte zugunsten der örtlichen Kindergärten. Wohl eine einmalige Gelegenheit, sich einen „echten Kühler“ ins Haus zu holen.

„Sie sind mir ans Herz gewachsen“: Karl Heinz Kühler mit den „Zupfbuntengeln“ in seinem Atelier. Verkauft werden sie zugunsten der Roßtaler Kindergärten.

„Sie sind mir ans Herz gewachsen“: Karl Heinz Kühler mit den „Zupfbuntengeln“ in seinem Atelier. Verkauft werden sie zugunsten der Roßtaler Kindergärten.

Bei der Frage, ob er an Engel glaube, setzt Karl Heinz Kühler sein spitzbübisches Grinsen auf und antwortet mit einem eindeutigen: „Jein.“ Es komme darauf an, was er auf sie projiziere — oder sie auf ihn. „Ich glaube auch an Engel, wenn sie keine Flügel haben“, sagt er. Wer weiß schon, wie so ein Schutzengel aussieht? Karl Heinz Kühlers sind bunt, quadratisch und haben alle Flügel. Und man kann an ihnen zupfen, „dann tun sie, als ob sie fliegen könnten“. Darum auch der Name Zupfbuntengel. „Hampelengel klingt bei weitem nicht so schön“, findet der Künstler. 34 solcher kinetischer Objekte entstanden innerhalb von zwei Jahren.

Nach seiner schweren Krebserkrankung hatte Kühler einen Weg gesucht, wieder in die Arbeit zu finden. Zunächst entstanden während seiner Chemotherapie kleine Collagen, etwa zehn mal zehn Zentimeter groß, bei denen er seiner Intuition freien Lauf ließ. „Da haben sich dann irgendwann die figürlichen Darstellungen eingeschlichen, die kleinen abstrakten Schutzengeln spielerisch sehr ähnlich sahen“, erklärt der 75-Jährige.

Bei der Umsetzung merkte Kühler, dass man die Flügel „irgendwie beweglich machen kann“. Dass er früher schon Entwürfe für Hampelmänner für die Spielzeugindustrie gemacht hatte, begünstigte seine Arbeit. Dazu kam eine pragmatische Überlegung: „Die Objekte sind genauso groß, dass sie in meine Säge passen, viele Materialien hatte ich zudem noch.“

Jedes dieser Werke ist ein Unikat, und nicht nur Farben und Formen sind verschieden, auch wenn man an den Schnüren zieht: jeder Flügelschlag hört sich anders an. Es sind die kleinen, aber feinen Eigenheiten, die die Werke von Kühler auszeichnen. Gern gibt er seine Wegbegleiter nicht ab, „sie sind mir ans Herz gewachsen, ich habe mich gut mit ihnen unterhalten“, sagt er, und lächelt wieder ein wenig spitzbübisch.

Mit Holz, findet der Künstler, lasse sich gut reden — „und man kommt auf Gedanken, auf die man alleine nicht kommt“. Schutzengel, meint Kühler, fliegen, sie wollen fliegen, so weit, so nah und dorthin, wo sie gebraucht werden. „Also besonders zu kleinen und großen Kindern.“ Da man „Schutzengel nicht einfach kaufen oder verkaufen“ könne, geht der Erlös — das Mindestangebot liegt bei 70 Euro – an die Roßtaler Kindergärten. „Aber wer mehr zahlen möchte, der ist natürlich herzlich willkommen.“

Die Benefiz-Ausstellung „Zupfbuntengel“ ist vom 1. bis 16. Oktober, samstags und sonntags von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, in der Spitzweedscheune Roßtal zu sehen. Künstlergespräch: Sonntag, 2. Oktober, (10 bis 12 Uhr), Sonntag, 9. Oktober, (10 bis 12 Uhr).

Sie sind bunt, sie sind quadratisch, und man kann an ihnen zupfen, dann tun sie so, als könnten sie fliegen.

„Will man eine Krankheit überstehen, braucht man eine eiserne Gesundheit. Besonders braucht man aber die Hilfe von außen. Das ist die Familie, der Freundeskreis und die Hilfe all derer, mit denen man im Alltag, im kreativen und im gesellschaftlichen Umfeld verbunden ist.
Man braucht Schutzengel. So entstanden während meiner Chemotherapie winzige Collagen, in denen sich immer mehr figürliche Darstellungen einschlichen, die kleinen abstrakten Schutzengeln spielerisch sehr ähnlich sahen.
Wer weiß schon, wie ein Schutzengel eigentlich aussieht? Meine Zupfbuntengel haben mir ihre Form, ihre Farbe (oder ist es eine Tarnfarbe?), auch ihre Bewegungen intuitiv möglich erscheinen lassen.
Schutzengel fliegen, sie wollen fliegen so weit und so nah und dorthin, wo sie gebraucht werden. Also besonders zu kleinen und großen Kindern.
So ist es mein Wunsch, dass sie dort landen, wo diese Kinder ihre Hilfe erwarten und auch sehr notwendig brauchen.“

FN vom 1.10.2011
Foto und Text: Claudia Wunder

Fotos von der Vernissage

Galerie


Fotos: Manfred Chrometz/Horst Auerochs


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Thema: Ausstellungen | Autor:

Fotoausstellung 2011

Montag, 1. August 2011 10:46


Impressionen

Thema: Ausstellungen | Autor:

VICTOR BULGARIU 1951 – 2010

Mittwoch, 29. Juni 2011 10:36

Hommage an verstorbenen Bildhauer
Roßtal gedenkt mit einer Ausstellung in der Spitzweed-Kulturscheune Victor Bulgariu

ROSSTAL  – Objekte und Werke des Bildhauers und Restaurators Victor Bulgariu sind vom 1. bis 17. Juli in der Spitzweed-Kulturscheune zu sehen. Der Künstler ist im vergangen Jahr überraschend im Alter von nur 59 Jahren verstorben.

Trauer und Entsetzen waren groß, als der beliebte Roßtaler vergangenes Jahr bei den Vorbereitungen für die „KunstOrteRoßtal“ ganz plötzlich verstarb. Zu Hause in seinem Büro, im Atelier und seiner Werkstatt ist noch alles so, wie er es verlassen hat: Überall stehen kleine und große Skulpturen, Fundstücke, ein Kalender seines Lieblings-Bildhauers Constantin Brancusi, kleine Steine, sein Werkzeug – so als ob Victor Bulgariu jeden Moment zu Tür hereinkommen könnte.

„Er hat jeden Raum mit seiner Erscheinung und seiner Stimme gefüllt“, erzählt seine Witwe Erna Bulgariu. Der Roßtaler stammte ursprünglich aus Rumänien, konnte dort seine Leidenschaft für Dreidimensionales aber nicht ausleben. Er studierte Bildhauerei autodidaktisch neben seiner Arbeit, emigrierte 1978 mit seiner Familie nach Deutschland, wo er sich in die Stadt Nürnberg mit ihren vielen Sandsteinbauten verliebte.

Schnell machte er sich einen Namen als fachkundiger Restaurator. „Ich kann nicht durch Nürnberg gehen, ohne an ihn zu denken“, sagt Erna Bulgariu. Egal ob Schöner Brunnen, Lorzenkirche oder Fleischbrücke – überall hat ihr Mann Hand angelegt.

Bei seinem eigenen künstlerischen Schaffen liebte Bulgariu dagegen die abstrakten Formen, allerdings immer mit der Natur als Basis. Für eine Einzelausstellung, erinnert sich die Witwe, habe er immer gesagt, er sei nicht Künstler genug. Doch die Mitglieder vom Runden Tisch Kultur, den er seit Beginn an unterstützte, möchten ihrem verstorbenen Freund diese Ehre nun posthum zuteil werden lassen.

Reinhard Erbes und Erna Bulgariu haben für die Schau rund 40 Objekte ausgewählt. In seinen letzten fünf Lebensjahren beschäftigte den Künstler intensiv die Frage nach dem Sinn des Lebens. „Warum bin ich hier?“, habe er oft überlegt, so Erna Bulgariu. Mit seinen Skulpturen und Restaurationen hat er in jedem Fall seine Spuren für die Ewigkeit hinterlassen. Und wie sehr Victor Bulgariu tatsächlich doch Künstler war, davon können sich die Besucher in der Spitzweed-Kulturscheune überzeugen.

Claudia Wunder / FN vom 01.07.2011
Fotos: Admin (H. Auerochs/floger)


Thema: Ausstellungen | Autor:

Aja von Loeper

Dienstag, 3. Mai 2011 8:28

 

 



Die Kunst lebt von Ästhetik und Emotionen, von Überraschendem und Berührendem, von Persönlichkeiten, die mit Ernsthaftigkeit und Konsequenz an ihrem Werk arbeiten und es dem Publikum zur Diskussion stellen. Wie zum Beispiel Aja von Loeper: Eine angenehm zurückhaltende junge Frau, die bis 2002 an der Nürnberger Akademie studiert hat.

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NN vom 20.05.2011

Spürbare Energie und Kunst, die ihre Betrachter umfängt: NN-Kunstpreisträgerin Aja von Loeper zeigt in der Roßtaler Spitzweed-Kulturscheune mit „Ur-Sprung II“ ein Raumbild, das seine Betrachter mitten hinein ins intensive Erleben zieht.

Auf unbeirrbaren Bild-Pfaden: Aja von Loepers raumfüllende Arbeit ist ab diesem Wochenende in der Spitzweed-Scheune zu erleben.

Aja von Loeper ist eine zierliche Frau. Zurückhaltend und sanft ist ihre Art. Das sollte man wissen. Denn nur dann erschließt sich in vollem Umfang die Verwandlung, die mit der 39Jährigen vor sich geht, sobald ihre Kunst ins Spiel kommt. Bis in die Spitzen ihrer langen Locken scheint plötzlich Energie zu vibrieren. Wenn sie zu ihren Werkzeugen greift und demonstriert, wie sie vorgeht, ist ihre unbedingte Entschlossenheit, genau so und kein Jota anders zu arbeiten, mit Händen zu greifen.

Es ist die gleiche Dynamik, die dem Besucher jetzt in der Roßtaler Scheune entgegenbrandet. Drei, vier Schritte nur, und diese Ausstellung umfängt einen. Was, bitte, auch wörtlich zu verstehen ist. Wie außerordentlich das ist, wird vor allem deutlich, ruft man sich ins Bewusstsein, dass Aja von Loepers Kunst von der Zeichnung kommt. Hier, in dieser Scheune, geht sie endgültig in die dritte Dimension: „Raumbild“ nennt sie ihre Arbeit, die neu ist und doch zugleich den Weg bis zu diesem Moment offenbart.

„Wir wollten etwas Spektakuläres für die Eröffnung des Roßtaler Kultursommers“, sagt Reinhard Erbes vom runden Tisch Kultur. Die Mission ist geglückt, in jeder Hinsicht. Loepers Arbeit, die sie im Untertitel „Schlüsselwerk Birke & Begehbares Bild, 42m2“ nennt, bespielt das große Thema der Künstlerin: Ihr Baum, ihre Birke, ist da. Viermal mitten im Raum. Eine weitere sprengt die Deckenhöhe und ragt mit 5,50 Meter in den Dachboden. Zu ihr führt ein Bild-Pfad mitten durch die schräge Ebene, auf der Loeper weitere Blätter angeordnet hat.

Schmerzhafter Prozess

„Viele Leute denken, ich lege Papier über einen Baumstamm und reibe die Strukturen durch.“ Ein Irrtum. In einem langen, schmerzhaften Prozess hat sie sich eine persönliche Fertigungsweise erobert, die ihresgleichen sucht. Ihre Werkzeugliste umfasst Zeichenkarton, Graphitstift („9B – einer der Weichsten“) und ein faustgroßes Holzstück. „Mein Material“, sagt sie liebevoll. Mit dem vielleicht erstaunlichsten Teil, dem Holzkeil, bearbeitet sie das Papier, bis sich Strukturen zeigen und es sich ihr zentimeterhoch entgegenwölbt. Zärtlich wird der Graphitstift eingesetzt, bis auch er mit weiten Bewegungen breite Spuren auf dem Papier hinterlässt. Ihre Arbeitsmittel vergleicht die Künstlerin mit einem Instrument. Was wunderbar passt, bis hin zur alles absorbierenden Konzentration und Hingabe, mit der sie zu Werke geht.

„Meine Technik habe ich vor zehn Jahren entwickelt“, erinnert sich Aja von Loeper, die 2008 mit dem Hauptpreis beim Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten ausgezeichnet wurde. Vor ihrem Studium an der Akademie in Nürnberg absolvierte sie eine Ausbildung zur Gymnastiklehrerin und Physiotherapeutin, von der die Effizienz ihrer Bewegungen noch immer Zeugnis gibt. Zur Welt kam sie in Leonberg-Warmbronn im Schwarzwald. An Nürnberg, wo sie heute lebt, fesselt sie auch die Nähe zu Albrecht Dürer. Ihre Wohnung hat sie sich in der Nähe seines Wohnhauses gesucht und, ja, an diesem Ort ist noch immer etwas von seinem Geist spürbar für sie, die 500 Jahre nach Dürer geboren wurde und verwandt ist mit Philip Melanchthon, den Dürer porträtierte.

Eine andere Geschichte ist die Sache mit ihrem Baum. Eine Birke, am Schmausenbuck. Immer wieder zieht es sie seit 1999 zum Arbeiten dorthin. „Einige sagen, ,sie liebt halt ihre Birke‘“, sagt Aja von Loeper, „aber das stimmt so nicht! Ich bin nur geduldig und habe mir damals vorgenommen, ich sitze so lange hier, bis ich meine Handschrift gefunden habe.“

Das allerdings ist ihr schon lange geglückt.

„Ur-Sprung II“: Spitzweed-Kulturscheune Roßtal (Schulstraße 25). An den Wochenenden und am 2. Juni jeweils 10-13 und 15-18 Uhr. Bis 5. Juni. Parallel zeigt die Scheune der Altstadtfreunde Nürnberg (Zirkelschmiedsgasse 30) Loepers korrespondierende Ausstellung „Ur-Sprung I“.

 


Fotos: Thomas Scherer, Florian Gerhardt, Reinhard Erbes

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