Michaela Biet / April 2007

Wenn wir  hier von Stein sprechen, dann handelt es sich um Findlinge, kleinere und größere Monolithe, die von Michaela Biet bearbeitet werden. Der Monolith, der Stein aus einem Guss, wird seit alters her als der Geheimnisträger verehrt. So wie Kinder Kiesel an einem Fluss sammeln und damit ein Gefühl haben, etwas besonderes, etwas geheimnisvolles gesammelt zu haben. Vielleicht beinhaltet das Fundstück eine Versteinerung, eine Botschaft aus einer früheren Zeit. Monolithe wurden für Grabstätten verwendet, für kleine Skulpturen, die auf Altären der verschiedenen Religionen angebetet wurden. Steine aus einem Stück waren schon immer Symbol- und Geheimnisträger.
Michaela Biet geht in ihren geöffneten Formen dem kindlichen Gefühl nach, zu forschen was der Stein beinhaltet. Um in das Innere des Steines zu gelangen, muss diesererst gespalten werden. Dieses Trennen ist mit Bohrungen und Spaltkeilen ein kraftaufwendiges und risikoreiches Unterfangen. Michaela Biet gibt durch das Setzen der Bohrungen die Spaltrichtung vor, ob der Stein dieser Richtung nachgibt ist von vielen unwägbaren Faktoren abhängig. Der gespaltene Monolith ist danach gebrochen – preisgegeben, geöffnet, seines Geheimnisses beraubt. Michaela Biet empfindet nun ihre Form – ihren Kern in die zwei Hälften und arbeitet diese Form, organisch anmutende Hohlräume, in die beiden Hälften. Die hälftige Form in jeder der beiden Steinhälften sucht ihr gegenüber. Nebeneinander, gegenüberliegend fügt der in den Stein eingearbeitete Hohlraum die beiden Hälften wieder zu einer Einheit zusammen. Nur beide Hälften bergen die ganze Form in sich, nur zusammengefügt ist die Form und der getrennte Stein komplett – aber dann wiederum für uns nicht einsehbar.
Michaela Biet ist im Stein auf der Suche nach dem Kern der Sache, nach dem Wesen der Dinge. Wie Fruchtfleisch wirkt der geöffnete Stein, der den negativen, oder scheinbar entnommenen, Kern umhüllt.

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Autor: - Datum: Donnerstag, 6. März 2008 22:34
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