Aja von Loeper

 

 



Die Kunst lebt von Ästhetik und Emotionen, von Überraschendem und Berührendem, von Persönlichkeiten, die mit Ernsthaftigkeit und Konsequenz an ihrem Werk arbeiten und es dem Publikum zur Diskussion stellen. Wie zum Beispiel Aja von Loeper: Eine angenehm zurückhaltende junge Frau, die bis 2002 an der Nürnberger Akademie studiert hat.

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NN vom 20.05.2011

Spürbare Energie und Kunst, die ihre Betrachter umfängt: NN-Kunstpreisträgerin Aja von Loeper zeigt in der Roßtaler Spitzweed-Kulturscheune mit „Ur-Sprung II“ ein Raumbild, das seine Betrachter mitten hinein ins intensive Erleben zieht.

Auf unbeirrbaren Bild-Pfaden: Aja von Loepers raumfüllende Arbeit ist ab diesem Wochenende in der Spitzweed-Scheune zu erleben.

Aja von Loeper ist eine zierliche Frau. Zurückhaltend und sanft ist ihre Art. Das sollte man wissen. Denn nur dann erschließt sich in vollem Umfang die Verwandlung, die mit der 39Jährigen vor sich geht, sobald ihre Kunst ins Spiel kommt. Bis in die Spitzen ihrer langen Locken scheint plötzlich Energie zu vibrieren. Wenn sie zu ihren Werkzeugen greift und demonstriert, wie sie vorgeht, ist ihre unbedingte Entschlossenheit, genau so und kein Jota anders zu arbeiten, mit Händen zu greifen.

Es ist die gleiche Dynamik, die dem Besucher jetzt in der Roßtaler Scheune entgegenbrandet. Drei, vier Schritte nur, und diese Ausstellung umfängt einen. Was, bitte, auch wörtlich zu verstehen ist. Wie außerordentlich das ist, wird vor allem deutlich, ruft man sich ins Bewusstsein, dass Aja von Loepers Kunst von der Zeichnung kommt. Hier, in dieser Scheune, geht sie endgültig in die dritte Dimension: „Raumbild“ nennt sie ihre Arbeit, die neu ist und doch zugleich den Weg bis zu diesem Moment offenbart.

„Wir wollten etwas Spektakuläres für die Eröffnung des Roßtaler Kultursommers“, sagt Reinhard Erbes vom runden Tisch Kultur. Die Mission ist geglückt, in jeder Hinsicht. Loepers Arbeit, die sie im Untertitel „Schlüsselwerk Birke & Begehbares Bild, 42m2“ nennt, bespielt das große Thema der Künstlerin: Ihr Baum, ihre Birke, ist da. Viermal mitten im Raum. Eine weitere sprengt die Deckenhöhe und ragt mit 5,50 Meter in den Dachboden. Zu ihr führt ein Bild-Pfad mitten durch die schräge Ebene, auf der Loeper weitere Blätter angeordnet hat.

Schmerzhafter Prozess

„Viele Leute denken, ich lege Papier über einen Baumstamm und reibe die Strukturen durch.“ Ein Irrtum. In einem langen, schmerzhaften Prozess hat sie sich eine persönliche Fertigungsweise erobert, die ihresgleichen sucht. Ihre Werkzeugliste umfasst Zeichenkarton, Graphitstift („9B – einer der Weichsten“) und ein faustgroßes Holzstück. „Mein Material“, sagt sie liebevoll. Mit dem vielleicht erstaunlichsten Teil, dem Holzkeil, bearbeitet sie das Papier, bis sich Strukturen zeigen und es sich ihr zentimeterhoch entgegenwölbt. Zärtlich wird der Graphitstift eingesetzt, bis auch er mit weiten Bewegungen breite Spuren auf dem Papier hinterlässt. Ihre Arbeitsmittel vergleicht die Künstlerin mit einem Instrument. Was wunderbar passt, bis hin zur alles absorbierenden Konzentration und Hingabe, mit der sie zu Werke geht.

„Meine Technik habe ich vor zehn Jahren entwickelt“, erinnert sich Aja von Loeper, die 2008 mit dem Hauptpreis beim Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten ausgezeichnet wurde. Vor ihrem Studium an der Akademie in Nürnberg absolvierte sie eine Ausbildung zur Gymnastiklehrerin und Physiotherapeutin, von der die Effizienz ihrer Bewegungen noch immer Zeugnis gibt. Zur Welt kam sie in Leonberg-Warmbronn im Schwarzwald. An Nürnberg, wo sie heute lebt, fesselt sie auch die Nähe zu Albrecht Dürer. Ihre Wohnung hat sie sich in der Nähe seines Wohnhauses gesucht und, ja, an diesem Ort ist noch immer etwas von seinem Geist spürbar für sie, die 500 Jahre nach Dürer geboren wurde und verwandt ist mit Philip Melanchthon, den Dürer porträtierte.

Eine andere Geschichte ist die Sache mit ihrem Baum. Eine Birke, am Schmausenbuck. Immer wieder zieht es sie seit 1999 zum Arbeiten dorthin. „Einige sagen, ,sie liebt halt ihre Birke‘“, sagt Aja von Loeper, „aber das stimmt so nicht! Ich bin nur geduldig und habe mir damals vorgenommen, ich sitze so lange hier, bis ich meine Handschrift gefunden habe.“

Das allerdings ist ihr schon lange geglückt.

„Ur-Sprung II“: Spitzweed-Kulturscheune Roßtal (Schulstraße 25). An den Wochenenden und am 2. Juni jeweils 10-13 und 15-18 Uhr. Bis 5. Juni. Parallel zeigt die Scheune der Altstadtfreunde Nürnberg (Zirkelschmiedsgasse 30) Loepers korrespondierende Ausstellung „Ur-Sprung I“.

 


Fotos: Thomas Scherer, Florian Gerhardt, Reinhard Erbes

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Autor: - Datum: Dienstag, 3. Mai 2011 8:28
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