Beiträge vom April, 2018

FLORIAN GERHARDT

Montag, 16. April 2018 14:59

 

 

Florian Gerhardt war seit 2004 einer der ambitioniertesten, beständigsten Mitmacher im Runden Tisch Kultur Roßtal: Mitmacher als Künstler und Organisator.
Er war als Künstler Autodidakt mit großem Gespür für Form, Stil und Humor. Er hat schweres Eisen in leichte, bewegte Form verwandelt. Sein letztes Werk ist heiter und unkonventionell, eine mit Leichtigkeit fliegende eiserne Libelle.
Viele seiner Werke haben zusätzlichen Gebrauchswert als Ofen, Außenofen, als Feuerstelle.  Als Fotograf dokumentierte und begleitete er nicht nur Vernissagen und Ausstellungen.
Er war mit seinen ambitionierten Fotografien selbst Teilnehmer an unseren Foto-Ausstellungen. In der Ausstellung in der Spitzweed-Kulturscheune zeigen wir seine Werke an dem Ort, der ihm viel bedeutete.

Fotos: Manfred Chrometz & Reinhard Erbes

Presse: FN vom 18.05.2018
Aus Schwere entsteht Leichtigkeit

Roschtler Kultursommer: Metallobjekte in memorian Florian Gerhardt in der Scheune – 19.05.2018 18:34 Uhr

Kuriose Tierchen bevölkern die Spitzweedscheune. Ein Hund aus rostigen Altmetall-Fundstücken, der auf verbogenen fingerdicken Schrauben steht. Ein springender Fisch aus einem Metallband, dem urchristlichen Ichthys-Symbol nachgebildet, der von drei metallischen Schilfrohren gehalten wird. Eine Libelle: Ihr Korpus besteht aus einer Zange, ihre Flügel aus einer Schere.

Das wirkt teils kurios, teils gruselig. Dabei war Florian Gerhardt (1947-2017) von Beruf Betriebswirt. Erst spät wandte er sich erst dem Holz, dann dem Metall zu. Autodidaktisch experimentierte er mit dem Material, schließlich ließ er sich zum Schweißer ausbilden. Als Mitarbeiter der ersten Stunde saß er am Runden Tisch Kultur. An ihn, der mit seinen Fotografien viele Roßtaler Ausstellungen und Vernissagen dokumentierte, erinnert die aktuelle Schau.

Selten nur glänzt sein Rohstoff, das Metall, in polierter Pracht. Meistens ist es rostig, rotbraun, und in dieser Gestalt verleiht der Rost seinen Objekten nicht einfach die Anmutung des Alten und Gebrauchten, sondern des Archaischen. Das gilt vor allem für die abstrakten Objekte, namentlich die Windspiele. Gerhardt konzipierte diese mannshohen Objekte als Zusammenspiel von Massivität und Fragilität, von Schwere und Leichtigkeit, von Stabilität und labilem Gleichgewicht.

Breite Metallplatten weisen unverhoffte Schlitze und Durchlässe auf; auf einem Massivität erheischenden, meist pyramidalen Korpus dreht sich ein Windspiel aus Metallbändern oder Drähten. Andere Konstruktionen betonen die Diagonale, sind vorsichtig mit Gewichten aus Ketten oder Glasbrocken ausbalanciert, als ob sie bei der leisesten Berührung krachend zu Boden gingen.

Doch keine Sorge, der Fuß dieser Figuren ist schwer genug, die Konstruktion im Gleichgewicht zu halten. Schwer und massiv muten auch Gebrauchsobjekte wie Kerzenhalter oder gar ein Kamin für den Garten an. Hingegen eignet Florian Gerhardts „Katze“ wieder die Leichtigkeit des Grafischen: Zwei miteinander verschweißte Ringe bilden die Ziffer 8, auf dem oberen Ring ragen zwei Spitzchen, am unteren Ring ein gewundenes Metallband, also Ohren und Schweif.

Reinhard Kalb

Thema: Ausstellungen | Autor: