Beiträge vom März, 2015

Hélène de Beauvoir

Sonntag, 22. März 2015 15:13

Roschtler Kultursommer mit französischem Flair

Die große kleine Schwester: Hélène de Beauvoirs malerisches und grafisches Werk in der Spitzweed-Scheune

helene1ROSSTAL – Sie ist zwar nicht so berühmt wie ihre ältere Schwester, die Philosophin Simone de Beauvoir.
Doch Arbeiten der 1910 geborenen und 2001 verstorbenen Malerin Hélène de Beauvoir waren schon in
bedeutenden Ausstellungen in Europa, in den USA und in Japan zu sehen. Der Weg führt von dort nicht unbedingt nach Roßtal, doch just dort sind zum Start des Roschtler Kultursommers 28 Beauvoir-Bilder ausgestellt.
Zu jeder Schaffensepoche Hélène de Beauvoirs zeigt die Roßtaler Ausstellung Arbeiten — diese schuf sie 1959.
Die Exponate stammen vom Regensburger Galeristen Ludwig Hammer, der die Künstlerin 1970 auf einer Schiffspassage kennenlernte. Eine lebenslange Freundschaft entstand.

In der Spitzweedscheune hat der Runde Tisch Kultur des Marktes einen mehr als unerwarteten Coup gelandet. Auf Vermittlung von Pfarrer Jörn Künne sind die Bilder von der Galerie Hammer in Regensburg ausgeliehen, sie verwaltet und vermarktet den Nachlass der Künstlerin. Schon bei der Eröffnung der Ausstellung waren rund 100 neugierige Kunstinteressierte in der Scheune unterwegs.

Die Gemälde, Zeichnungen und Grafiken von Hélène de Beauvoir mit Motiven aus verschiedenen Ländern geben einen interessanten Einblick in die verwendeten Maltechniken, aber auch in die Stilepochen, die die Französin gleichsam durchlebte. „Sie hat ihren Weg gefunden zwischen den vergeblichen Zwängen der Nachahmung und der Dürre der reinen Abstraktion“, schrieb Jean-Paul Sartre, der Lebensgefährte der größeren Schwester Simone, über ihre Kunst im Jahr 1975.

Er war auch schon bei der ersten Ausstellung Hélène de Beauvoirs im Jahr 1936 in Paris dabei, und auch Pablo Picasso zollte ihr bei dieser Gelegenheit große Anerkennung: „Ihre Malerei ist originell, ihr Talent ist individuell und kraftvoll“, urteilte der große Meister. Ende der sechziger Jahre griff Hélène auch politische Themen auf und engagierte sich in Straßburg für Frauenrechte. Im Elsaß starb die gebürtige Pariserin im Alter von 91 Jahren.

Ihr facettenreiches künstlerisches Werk bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Realismus und Abstraktion, und ihr Aufenthalt in verschiedenen Ländern beeinflusste ihre Kunst maßgeblich, deutlich zu erkennen etwa in den Venedig-Bildern, von denen einige auch in der aktuellen Ausstellung in der Spitzweedscheune zu sehen sind.

FN vom 03.05.2015


Galerie Hammer, Regensburg


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