Beiträge vom März, 2009

K.H. Kühler / August 2009

Mittwoch, 11. März 2009 22:38

KREBS • SCHEREN • SCHNITTE

Zeichnungen und Mobile von Karl Heinz Kühler [Maler und Bildhauer]

Tagebuch einer Lebenskrise

Eine sehenswerte Ausstellung fand in Roßtal in der Spitzweed-Scheune statt.

kuepotrDer Maler und Bildhauer Karl Heinz Kühler, Betroffener einer Darmkrebserkrankung, hat während der Zeit der Vorbereitung auf die Operation, d.h. in der Phase der radiologischen Bestrahlung des Tumors, der Untersuchungen und der Chemotherapie, zeichnerisch Tagebuch geführt. Seinen Ehrfahrungen, Stimmungen und Beobachtungen während dieser Zeit hat er in Zeichnungen und Collagen Ausdruck verliehen. Die vorsichtigen Versuche nach überstandener Operation und Chemotherapie vermitteln ein Bild der Wiedergenesung. So sollen die entstandenen Werke auch anderen Mut machen, sich mit dem Thema Krebs zu beschäftigen, es einzuordnen und damit umzugehen.

Mit der einschneidenden Diagnose «Krebs» begann für Karl Heinz Kühler eine zweite Zeitrechnung. Nur langsam, erzählt der 73-Jährige, kamen nach dieser Hiobsbotschaft das Bewusstsein und die geistige Kraft zurück. Es gab für ihn nur einen Weg der Bewältigung: «Die Kunst. Ich habe nichts anderes gelernt.»

rotZehn Zeichnungen verließen täglich seinen Arbeitstisch. Mehr als sonst flossen Beobachtungen, Gedanken und Erlebnisse kombiniert in die Objekte und nahmen Besitz von ihnen. Die Diagnose ist rot unterlegt – Aufschrei, Warnsignal, Wutruf. Auf diesen Bildern finden sich immer wieder Scheren, die an das Tier erinnern, das den Namen der Erkrankung trägt. Der Mensch, dem das alles passiert, ist nicht zu erkennen, er ist das Objekt der Medizin, verschwindet hinter Apparaten, die zwar helfen, aber auch ängstigen.

opDie zweite Bildreihe ist in Schwarz und Weiß gehalten und steht für die schwere Operation, die Kühler durchgemacht hat. Hier tritt der Körper ins Bild. Mit dem Blick eines Chirurgen nähert sich der Maler dem Problem.

Der dritte Abschnitt ist einem Freund gewidmet, der an demselben tückischen Leiden verstorben ist. Der BildblauTod trägt Blau und Schwarz. Er hat etwas von einem stilisierten Sensenmann an sich, legt aber auch das Skelett mit Totenkopf und Rippen bloß.

Mit einem besonderen Werk, dem Haifischbecken, möchte der Maler und Bildhauer Kühler auch die gefühlte Bedrohung einer Krebserkrankung an die Betrachter heranbringen. Von der Decke der Spitzweedscheune hängen Raubfische. Alle im sterilen Weiß; nur der Luftzug wird ihnen in der Enge des Raumes etwas Bewegungsfreiheit gönnen.haie

Um strikte Kontinuität in seinem Haifischbecken zu erzeugen, arbeitete er immer an mehreren Fischen gleichzeitig. Dabei hat ihm die Arbeit selbst kindlichen, ja beinahe diebischen Spaß bereitet. Erst die Menge machte sie letztlich bedrohlich.

Wäre die Ausstellung hier zu Ende, wäre die Ausstellung eine Herausforderung. Doch Kühler geht es längst wieder besser, deshalb ist der Abschluss so heiter, wie der Mensch nur sein kann, wenn er aus großer Not erlöst wurde. gelbIn Gelb  und Grün präsentiert sich eine Welt voller Segel, Meer und anderer Freuden. Die Erleichterung schlägt Wellen und springt auf die Besucher über.

Was die unterschiedlichen Bestandteile der Ausstellung verbindet – die vier Bildreihen und die Papp-Skulpturen an der Decke –ist ihre technische Präzision, ihre analytische Herangehensweise, die versucht, Abstand zu nehmen, um klarer zu sehen, und ihre reduzierte Formensprache. Dinge auf ihren Kern zurückzuführen scheint Kühlers Art zu sein, der Wahrheit nahe zu kommen. Eine Ausstellung die Mut macht.

An der Nürnberger «Akademie für bildende Künste» studierte Kühler Wandmalerei und war Meisterschüler bei Professor O. M. Schmitt. Seit 1964 als anerkannter Künstler tätig, hat er sich mit seinen sakralen Werken, profanen Objekten und prächtigen Brunnen weit über die fränkischen Grenzen hinaus einen Namen gemacht.

Sein Wissen und seine Kreativität zu vermitteln, war dabei immer eines seiner großen Anliegen. Auch heute noch, als Dozent an den Volkshochschulen, weckt er so ganz nebenbei still vor sich hin schlummernden Begabungen.

Auszug aus den nachfolgenden Presseartikeln von Anne Peters und Hans G. Esterl

Presse:


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Sonja and Friends / Juli 2009

Sonntag, 8. März 2009 14:56

Patchwork und Quilts

a1In fast allen Kulturen der Welt findet man die Patchwork- und Quilttechnik.

Bereits vor mehr als tausend Jahren gab es die Steppdecken = Quilts im vorderen Orient und China, seit dem Mittelalter auch in Europa.
Englische Siedler brachten Quilts und Patchworkdecken im 17. Jahr-hundert nach Nordamerika. Hier entwickelte sich das Herstellen von Patchwork-Quilts zu einer typisch amerikanischen Volkskunst.
Eine herausragende Stellung bei der Anfertigung von Quilts nahmen die Amish und die Mennoniten ein.
Ihre Quilts zeichnen sich durch besonders attraktive geometrische Muster und interessante, manchmal provozierende Farbkombinationen aus.
Bei den Amish sind Viereck und Raute die Grundelemente eines Quilts. Mit ganz seltenen Ausnahmen stellt der Amish-Quilt niemals Figuren dar, da diese sehr religiöse Gemeinschaft das Gebot „du sollst dir kein Bildnis machen“ wörtlich nimmt. Die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten des Vierecks und der Raute, das häufig gewagte Zusammensetzen der Farben und das aufwendige Quilten sind die typischen Merkmale des Amish-Quilts.

Das Wort „Quilt“ kommt vom lateinischen Wort  culcita  , was soviel bedeutet wie gestopfter Sack, gestopfte Matratze oder gefülltes Kissen. Sehr bald wurde der Quilt jedoch als Bettdecke verwendet.
Es wäre sehr schade gewesen, ihn als Matratze zu verwenden, da die Frauen zahlreiche Stunden damit verbrachten (bei geselligen Treffen = Quilting-Bees arbeiteten oft mehrere Frauen an einem Stück), die Patchworkdecke zu quilten, d. h. ihr ein schöneres Aussehen zu verleihen.
Das englische Verb – to quilt – gibt diesem Flickwerk seinen Namen.

Ein Quilt besteht immer aus 3 Lagen, aus der Quiltoberseite aus Patchwork = zusammengesetzte Stoffstücke oder Applikationen = aufgesetzte und aufgenähte Stoffstücke, einer Zwischenlage (früher aus Wolle oder Baumwolle), jetzt aus Kunstfaser- oder Baumwolle-Polyester-Vlies und der Quiltrückseite aus einem Stück Stoff.

Der Begriff „quilten“ bezieht sich auf das Zusammensteppen der 3 Lagen mit kleinen Vorstichen, früher ausschließlich von Hand – heute wird jedoch meist mit der Maschine gequiltet. Dies gibt dem Quilt eine plastische Oberfläche  und verleiht dem ganzen sein spezielles Aussehen.

Heute haben die Quilts nicht mehr nur funktionellen Charakter, sondern auch dekorativen Charakter und gelten als eigenständiges Kunstwerk.
Die Stoffe – oft selbstgefärbt – werden heute bewusst zerschnitten und wieder zusammengesetzt.
Verschiedene textile Techniken – Sticken von Hand oder Maschine – und Oberflächenbearbeitung wie Stoffmalerei, Stoffdruck, Gebrauch von Lötkolben und Heißluftgebläse werden verwendet, um unterschiedliche Texturen hervorzuheben und interessante Oberflächen zu erzielen.

Man spricht auch heute von Art-Quilts nach individuellen Entwürfen und Ideen eines Künstlers, der sich besonders mit „Textiler Kunst“ beschäftigt.

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