FOTO-AUSSTELLUNG zur Kirchweih

Donnerstag, 21. Juli 2016 10:10

Plakat-Fotoausstellung

Thema: Ausstellungen

KUNST ORTE ROSSTAL 7

Donnerstag, 23. Juni 2016 14:09

web

Impressionen:


 

Thema: Ausstellungen

KULTURPALAST ANWANDEN 2016

Donnerstag, 12. Mai 2016 11:49

Beteiligte Roßtaler Künstler: Horst Auerochs, Reinhard Erbes, Ilse Feiner,
Andrea Sauer, Ilse Westphal
Teilnehmer


Galerie:

Presse:
Zeitung

 

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Thema: Ausstellungen

GÜNTER DERLETH

Dienstag, 22. März 2016 15:20

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Eröffnungsrede: Günter Derleth „FLORA“ Photographien der Camera Obscura
von Matthias A.J. Dachwald, gehalten am 8. April 2016.
www.liter-art.de

portraitWer Günter Derleth kennt, weiß, dass er für so einiges Leidenschaften entwickeln kann, manche davon teilen wir möglicherweise, andere wiederum erstaunen uns und für wieder andere bewundere ich persönlich ihn, wie z.B. ein Baumhaus zu planen und zu konstruieren und dieses im vorgerückten jugendlichen Alter dann auch noch alleine selbst zu bauen. Ein Foto, welches aus diesem Baumhaus heraus aufgenommen wurde, ist übrigens ebenfalls in dieser Ausstellung und reiht sich ganz wunderbar in die Thematik ein. Dieses Foto, wie auch all die anderen hier sind der Ausdruck seiner zweifellos größten Leidenschaft der Lochkameraphotographie und alles was in ihrem entferntesten Dunstkreis, an ihren Rändern dazu gehört und von diesen Rändern wird gleich noch zu sprechen sein. Das Prinzip der Lochkameraphotographie ist im Grunde ein Einfaches, denn man benötigt nur einen Kasten oder eine Box, ein Loch und ein belichtbares Material, ein Fotopapier. Man öffnet das Loch und nach einer Weile verschließt man es wieder und fertig ist schon fast das Bild. Das Bild, das man so erhält ist eine Photographie, was, Sie wissen es, bedeutet, dass man mit Licht malt, zeichnet oder schreibt. Dies ist für uns heute kein Geheimnis mehr, auch wenn wir momentan zumeist eher digital fotografieren und doch brachte mich diese an und für sich banale Tatsache auf den Gedanken, der mir einen Zugang zu den Inhalten Deiner Bilder ermöglichen sollte. Denn dieser Inhalt gehört ebenfalls zu Deinen Leidenschaften, wer Deinen Garten kennt, der weiß, dass Pflanzen dich faszinieren und zwar vor allem in ihrer Natürlichkeit und in ihrer puren Erscheinungsform. Dich interessiert weniger der gepflegte Rasen, Dich interessiert mehr die Wildheit, das Unaufgeräumte, das Chaotische des Stirb und Werde, wie Goethe es nannte, in der Natur.
Die Photographie ist wie eben schon angedeutet auf Licht angewiesen. Je mehr Licht vorhanden ist, desto kürzer muss beispielsweise die Belichtung des Fotopapiers sein, da das Bild sonst schnell überbelichtet ist. Für den Vorgang in der Lochkamera bedeutet dies, dass umso bewölkter und dunkler das Umgebungslicht ist, desto länger muss die Linse oder in unserem Fall das Loch geöffnet bleiben. Das kann in Innenräumen schon auch mal leicht mehrere Stunden dauern. Dabei wird alles, was an Bewegung für das menschliche Auge sichtbar ist, vom Licht beim Materialisieren auf das Fotopapier gänzlich ignoriert. Sie können also z.B. in einem Innenraum eines botanischen Gewächshauses eine Lochkamera aufstellen und belichten etwa eine halbe Stunde oder eine Stunde. In dieser Zeit gehen unzählige Menschen durch den Raum und betrachten die Pflanzen. Am Ende werden sie aber keinen dieser Menschen auf dem Bild sehen. Dazu hätten diese sich komplett ruhig und still an einem Fleck, quasi erstarrt, über einen längeren Zeitraum befinden müssen.
Nun davon abgesehen, dass wohl nur Fakire und der Meditation wirklich fähige Leute ohne Probleme solange regungslos verharren können, wird deutlich, warum Lochkamerabilder uns mitunter so faszinieren. Sie präsentieren uns Ausschnitte aus der Wirklichkeit, wie wir sie ganz selten wahrnehmen: menschenleer, und damit können Sie sich als Betrachtender gänzlich auf den Ort und seine Präsenz konzentrieren. Das Lochkamerabild ist also letztlich in seiner Substanz ein Ergebnis von Zeit und Licht.
Womit wir zum Inhalt der hier ausgestellten Bilder gelangen: Pflanzen! Was kann jemand, der sich normalerweise mit Gesellschaft, mit Kunst und Kultur, mit Literatur und Politik beschäftigt aber schon zu Pflanzen sagen, fehlt ihm doch das hierfür nötige botanische Grundwissen? Solche und ähnliche Fragen surrten mir im Kopf herum, als Günter mich fragte, ob ich in diese Ausstellung einführen wolle. Nun bei einigem Nachdenken gibt es dann zwischen Pflanzen- und Menschenwelt schon so manche Ähnlichkeit. Die Wildheit und Unzähmbarkeit der Natur zum Garten und zum Gärtner verhält sich meist nicht anders als entsprechende Spiegelungen in der Gesellschaft: Über kurz oder lang gewinnt die Wildheit und das Unkraut, dass man bekanntermaßen aber nur solange so nennt, bis man seine positiven Eigenschaften dechiffriert hat. Aber all solche Überlegungen schienen mir nicht zielführend, nicht stringent und beim Stöbern fiel mir dann das folgende Zitat von Paracelsus in die Hände: „Alles, was der Mensch tut und zu tun hat, soll er aus dem Licht der Natur tun. Denn das Licht der Natur ist nichts anderes als die Vernunft selber.“ Und da war es wieder, das Licht.
Pflanzen benötigen die Photosynthese. Die Photosynthese ist die natürliche Erzeugung von energiereichen Stoffen aus energieärmeren Stoffen mithilfe von Lichtenergie. Die Pflanze und das Photo benötigen beide Licht zum jeweiligen Sein. Die griechische Silbe phos ist der Wortstamm der Photographie wie der Photosynthese. Doch was sich dann beim einen schreibt (in der Photographie), das setzt sich beim anderen schlicht zusammen (Photosynthese). Der gemeinsame Nenner ist also das Licht. Alle Arbeiten, die wir hier sehen, sind nur entstanden, weil Licht und Zeit gewirkt haben. Diese beiden Faktoren sind die Essenz der Arbeit Günter Derleths in diesem Ausstellungsraum. Lassen Sie uns kurz dabei verweilen. Alle Pflanzen haben ihre eigene Wachstumsphase und die ihr jeweils eigene Zeit, die sie hierfür benötigen. Dies aber ist ja letztlich der Umstand, der uns an Pflanzen so fasziniert. Keine Pflanze wächst wie eine andere, sie alle sind völlig individuell, ähnlich wie wir Menschen. Ihre Schönheit erkennen wir oft erst, wenn wir uns in Ruhe mit ihnen auseinandersetzen. Wenn wir Ihrer Strukturen, Formen, Düften, Maserungen und Farben folgen dürfen oder besser gesagt, wenn wir bereit sind ihre Schönheiten für uns zu entdecken. Diesen Prozess der Wahrnehmung zu erweitern ist den Bildern von Günter Derleth meisterlich gelungen. Auf ihnen sehen wir Pflanzen in einer ganz neuen Art. Die Lochkamera und die Möglichkeiten an ihren Rändern, die Günter auslotet, schälen etwas aus der Pflanzenwelt hervor, was unser Auge normalerweise nicht sehen kann. Wir können Dank der künstlerischen Intervention von Günter Derleth unermüdlichen Forscherdrangs nun tatsächlich in neue Ebenen der Wahrnehmung vorstoßen und davon möchte ich nun noch ein wenig sprechen.
braunWir sehen zum einen Pflanzen als Solitäre. Als einzelne Protagonisten eines Fotos. Dies ermöglicht uns auf die eben von mir postulierte Einzigartigkeit der jeweiligen Pflanze einzugehen. Fest gebannt in einem Moment der Zeit, herausgehoben aus dem Prozess des Werdens oder Sterbens, können wir uns voll und ganz auf diese Einzigartigkeit einlassen. Zwar lässt es die Kunst der Fotografie nicht zu, dass wir die Pflanze berühren oder ihre Aromen riechen, aber wir können sehen. Wir sehen ihre Form und ihre Formungen. Ihren Schwung, ihre Linien, ihre Fülle, ihre Textur, ihre Farben oder auch nur ihre Unschärfe im Bild, die wir als eine Möglichkeit der pflanzlichen Aura kennenlernen dürfen.
Zum anderen sehen wir aber auch Bilder auf denen sich nicht eine Pflanze im Zentrum befindet, sondern auf denen es wimmelt und wuselt und in denen wir die Vielfältigkeit und das organisierte Chaos oder das sich gegenseitig bedingende und helfende Miteinander erkennen können. Pflanzen in der Natur sind soziale Wesen. Sie benötigen einander um selbst zu sein. Der Baum ist nicht nur ein einzelner Baum, er besteht aus unzähligen anderen Lebewesen und Arten, aus Moosen, aus Flechten, Pilzen oder „Parasiten“, wie Efeu oder Misteln. Der Untergrund eines Waldes ist ein einziges soziales Geflecht unterschiedlicher Pflanzen und ihrer Lebensbedingungen.
Damit wir all dies und noch mehr erkennen dürfen, hat Günter Derleth einmal wieder experimentiert. Ich kenne kaum jemand, der dies mit einer solchen Leidenschaft und gleichzeitig einer solchen scheinbar spielerischen Leichtigkeit perfektioniert hat. Dabei ist sein Ziel und da können wir alle von ihm lernen, nicht etwa zu schauen mit welch gigantischem Aufwand erhalte ich das beste Bild, sondern sein Weg ist genau umgekehrt: er vereinfacht, er zieht sich als willentlich Gestaltender zurück, verfolgt konsequent eine Idee und lässt es tatsächlich zu, dass das Licht für ihn malt. Er organisiert sich auch nicht etwa das Beste zu erhaltende Material, sondern er recycelt gewissermaßen, verwendet ausgesondertes und übriggebliebenes Material, was heute keiner mehr haben will, z.B. abgelaufenes 8×10 inch Polaroidpapier.
In diesem Sinne sind die Möglichkeiten des Gestalterischen sicher noch bei Weitem nicht ausgeschöpft. Besehen wir uns z.B. die Polaroids von denen ich gerade sprach, dann sehen wir ganz offensichtlich auch die unterschiedlichen Farbgebungsvarianten die sich darin zeigen. Allein diese ermöglichen uns die dargestellten Pflanzen gänzlich neu wahr zu nehmen, sonst Verborgenes pellt sich heraus und gerät in unseren Fokus. Auch die Präsentation ist vonBedeutung. Sehen wir dort z.B. die Polas in den kleinen Kästchen, dann spielt die Präsentation mit unserer Erinnerung und unserer Erwartungshaltung. Wir erinnern uns, als wir Kinder waren und sich beim Geschenke auspacken, das begehrenswerte Ziel dann endlich am Grund einer Schachtel entdecken ließ. Ganz ähnlich ist es hier. Die Pflanzen auf den Bildern werden wie ein Schatz aus einem Schatzkästchen präsentiert und wir können uns daher noch mehr auf ihre jeweilige Besonderheiten konzentrieren.
Günter Derleth präsentiert uns hier neben seinen an und für sich schon so reizvollen „klassischen“ Lochkamerabildern, einige Fotografien, die er als Negative ausstellt. Das Negativ hat einen ganz eigenen Reiz. Gerade die scharfe Zeichnung des Kontrastes, das kantige Gegenüber von schwarz und weiß oder bei Farbfilmen von monochromen zu colorem Bildteil ermöglicht uns, die Pflanze quasi als leuchtende oder auch fluoreszierende Erscheinung wahr zu nehmen. Überhaupt die gelungene Präsentation von schwarzweiß Foto und Farbfoto eröffnet schon eine eigene Wahrnehmungsebene über die sich lange reden und schreiben ließe. Ich will das hier nun nicht tun, aber Ihnen zumindest diesen Gedanken beim Betrachten der Ausstellung als eine Art Metagedanken mit an die Hand geben.
Eingehen möchte ich stattdessen noch auf zwei konkrete unterschiedliche Werkgruppen, die aber viel miteinander zu tun haben und die ich persönlich als mit die spannendsten ansehe. Es sind dies die Werkgruppen der Fotogramme und die der Langzeitbelichtungen. Sie sehen dort die beiden großen Bilder mit der Brauntönung. Hier sehen sie etwas, was sie so wahrscheinlich genauso wenig jemals vorher gesehen haben wie ich. Sie sehen Fotogramme mit Pflanzen und zwar kombiniert mit einer Langzeitbelichtung von sage und schreibe 4 Tagen. Das Ergebnis wurde nicht, wie sonst bei einem Fotogramm oder einem Foto entwickelt sondern lediglich fixiert damit der Entwicklungsprozess auf dem Fotopapier nicht weiter geht und somit der hier gezeigte Zustand dauerhaft erhalten bleibt. Fotogramme sind an und für sich nichts Kompliziertes. Junge Fotograf_innen lernen diese Technik am Anfang ihres Ausbildungsweges zum/r Fotografen/in. Normalerweise legt man einen festen Gegenstand auf das Fotopapier und belichtet dieses. Dadurch erhält man den Umriss des festen Materiales, gerne wird dies mit Scheren, Gläsern oder ähnlichem gemacht. Bereits die Fotopioniere Wedgewood und Fox Talbot haben Anfang des 19. Jahrhunderts damit experimentiert und gerade auch Man Ray hat großartige Kunstwerke mit Fotogrammen geschaffen, wobei er diese Rayografie nannte. Günter Derleth wiederum hat nun Pflanzen auf ein Fotopapier gelegt und sich angeschaut was das Licht mit den Pflanzen auf dem Papier so machen würde. Das Ergebnis ist verblüffend. Ein fester Gegenstand wie eine Schere lässt kein Licht durch, die Pflanze hingegen schon, sie ist darauf angewiesen, dass sie von Licht durchdrungen wird und genau das können wir hier im Bild sehen. Wir sehen das Wirken von Licht in der Pflanze und durch sie hindurch. Es ist für mich ein durchaus außerordentlich magischer Moment. Lassen Sie sich von der Aura dieser Bilder gefangen nehmen!
Die zweiten Langzeitbelichtungen hier sind die blauen Bilder dort. Auch das Ausgangsmaterial, das Fotopapier wurde nicht entwickelt sondern lediglich eingescannt und als Print abgezogen. Die ihnen zugrunde liegende Belichtungszeit toppt jedoch alles, was sonst noch hier im Raum zu finden ist. Das aufgenommen Motiv brennt sich, durch die extrem langen Belichtungen, teilweise von einem halben Jahr, regelrecht ins Fotopapier ein. Die Streifen, die sie auf einem der Fotos gewahr werden können, ist jene Quelle des Magischen, um die es während meiner Rede ständig geht und was sie hier auf den Bildern sehen können. Es ist die Sonne und damit die Schöpferin allen Lichts in unserem Sonnensystem. Die Streifen, die Sie auf dem Bild sehen, sind die Veränderungen des Sonnenstandes während des Winterhalbjahrs. Sie sehen quasi den Weg der Sonne auf einem Fotopapier fest gebannt.
Damit komme ich nun zum Ende meines Einführungsvortrages. Sie sehen, dass wir von allgemeinen Überlegungen, nun am Ende beim Quell allen Seins auf Erden angekommen sind, ohne dass wir hierfür religiös oder zu wissenschaftlich werden mussten. Meine These, dass die Arbeiten von Günter Derleth hier im Raum das Ergebnis von Licht und Zeit sind, konnte ich Ihnen damit hoffentlich ein wenig näher bringen. Aber und das halte ich für entscheidend, ist für das Gelingen der Photographien, wie der Ausstellung, neben Licht und Zeit vor allem die schöpferische Kreativität des Künstlers notwendig. Es ist also Licht und Zeit und Günter Derleth. Wenn sie für das Betrachten der Bilder nun ein paar Anregungen aus meinen Worten mit nehmen können und diese möglicherweise mit einem der anwesenden Gäste bei einem Gespräch noch vertiefen können, dann wäre mir meine Aufgabe als Eröffnungsredner gelungen.
Lieber Günter, liebe Gäste ich wünsche Ihnen nun anregende Gespräche, visuelle Freuden und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit mit der Wiederholung des Zitates von Paracelsus: Alles, was der Mensch tut und zu tun hat, soll er aus dem Licht der Natur tun. Denn das Licht der Natur ist nichts anderes als die Vernunft selber.
Vielen Dank!

Presse:

Vernissage:


Arbeiten:

 

Fotos: Manfred Chrometz

Thema: Allgemein